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Posts Tagged ‘Morricone’

Morricone-Gallerie

Morricone ist zweifellos einer der besten Filmkomponisten, die wir haben. Doch als er in den 80ern durchschnittlich 30 Filme pro Jahr vertonte, grenzte seine Tätigkeit an Fließbandarbeit. Die vier hier besprochenen Titel zeugen davon, wie durchschnittlich ein Meister werden kann: die „Copkiller“-Musik, in seinem typisch dissonanten Stil, ist hierfür ein ideales Beispiel. Morricone setzt gerne (und zeitweise ganz hervorragend) Instrumente sehr differenziert ein, aber beim „Copkiller“ verflacht diese Vorliebe zu einem rein atmosphärischen Klangmuster. In der „Rammbock“-Musik wird es dann noch schlimmer, weil er seine ‚Todesmelodie‘ so lustlos variiert, als wolle er seine Zuhörer mit Gewalt vertreiben. Zum Abschluss dieser Qual offeriert er allerdings wieder ein Glanzstück seines Könnens: „Un Orchestra un po pazza“ ist in seinem stechenden Rhythmus und offenen Harmonien (sowie 12-Ton Anklängen) zweifellos der beste Titel der hier besprochenen Veröffentlichungen. „Der Maulwurf“, für eine erstaunlich kleine Musikerbesetzung komponiert, ist dann wieder biederer Durchschnitt. Schon wesentlich besser ist schließlich die moll-schwadige, pop-orientierte Partitur zu „Der Außenseiter“, die sich von ihrem Vorläufer, „Der Profi“, vor allem in einem geschickteren Arrangement unterscheidet. Die Musik stellt keinen Anspruch auf eine dramatisch-spezifische Aussage, sondern besteht zumeist aus Variationen über das Hauptthema. Lustig wurde es allerdings dann, wenn Morricone sich selber zitierte: „Hypertension I“ ist ein Variationssatz über das „Profi“-Thema. Aber zwei gute (bis hervorragende) Einzeltitel wiegen nicht vier schlechte Soundtrack-Veröffentlichungen auf. Nach dieser Rechnung gäbe es übrigens statistisch bei insgesamt  24 Veröffentlichungen nur einen guten Morricone-Soundtrack. So unrealistisch ist das nicht.

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Sahara

Kein Scherz – mit “Sahara” hatte der Maestro 1983 wieder eine Musik von großem musikalischen Hörwert geschaffen: Schon sein Schwanken zwischen seinem eingängigen, dick aber durchsichtig instrumentierten “Love Theme” (das fast an den Hollywood-Schmalz von ehedem erinnert) und den untermalten Actionszenen ist stets sehr geschmackssicher und ohne ästhetischen Bruch gestaltet. Nach langer Zeit war dies also ein Score von Morricone, den man ohne Diagonalverfahren anhören konnte. So gut die geschmackliche Oberfläche ist, so akzeptabel ist auch die kompositorische Arbeit: Da setzt er an den Beginn von “War Report” zwei 12-Ton-Reihen, aus denen er ein ganzes Motiv- und Intervallarsenal zieht, das er rhythmisch ständig variiert, als Ausgangspunkt für die folgenden Actionmusiken gebraucht, wobei ihm nicht selten trocken-opulente, von großem Können geprägte Klangkonstruktionen gelingen (die zwei Reihen selber treten nur noch einmal verschleiert bei “Alarm” in rhythmisch gleichmäßigen Akkorden auf). Der Höhepunkt dieser Technik wird schließlich in “Panthers und Jaguars” erreicht, wenn Morricone mit den letzten sieben Tönen (fis, g, gis, f, e, c, h) seines 2 x 2 Ton-Motivs in einer musikalischen Studie (und diese Art von  Formalismus pflegt in der Filmmusik nur er) einen wahren mehrstimmigen Wettkampf für Holz- und Blechbläser veranstaltet. Zu dem obigen Konzept gesellt sich bei “Battle And Victory” (dem Handlungsschauplatz des Filmes entsprechend) noch ein zumeist von Quinten in den Violinen getragenen quasi-orientalisches Motiv. In den Pausen der Kampf- und Liebes(musik-)szenen darf man sich dann an barocken Fanfaren (”The Char Rally”), musikalisch lustigen, durch häufige Wegnahme des Dämpfers der Trompete erzielten Einwürfe, an zwei Pop-Arrangements des “Love-Themes” und zwei Modetänzen der 20er-Jahre (Charleston und Ragtime) erfreuen. Die Solo-Querflöte in der “Love Theme”-Variation “Boy And The Powder-Case” kann man sogar als Morricones persönlichen Tribut an Debussys “Nachmittag eines Pfauns” ansehen. Musikalisch gelungen und durch das stets Neue spannend, wobei man sogar mit den wirklich bravourösen Kriegssequenzen einem gleichermaßen berühmten Kollegen Morricones widersprechen kann: Jerry Goldsmith schrieb einmal über seine Tätigkeit: “Wenn man am Anfang eines Scores steht, hat der Komponist nur 12 Töne zur Verfügung”. Morricone braucht nur 12 Töne.

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