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Posts Tagged ‘Katja Uhlig’

Katja Uhlig, die weibliche Hauptdarstellerin aus „Der Zauberer von Camelot„, steht in Kürze in der Schweiz auf der Bühne: sie spielt sowohl „Consuela“ als auch „Maria“ in Leonard Bernsteins unverwüstlicher „West Side Story“. Laut Veranstalter-Homepage sind bereits 55.000 Tickets weg. Hoffentlich bekommen Film und Fernsehen mit, welch außerordentliches Talent hier auf weitere Engegaments wartet.

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Zauberer von Camelot

 

Spielzeit: 2007/2008 (Premiere: 28.10.2007, vorläufig letzte Aufführung 04.03.2008)

Aufführungsort: Friedrichstadtpalast, Berlin

Komposition: Marc Schubring / Musikalische Leitung: Klaus Krien

Choreographie: Christine Tarelkin, Suzann Bolik

Buch: Lutz Hübner

Regie: Holger Hauer

Darsteller: Krisha Dalke, Katja Uhlig, Thorsten Tinney, Caroline Kiesewetter, Jens Wassermann sowie die Mitglieder des Kinderensembles des Friedrichstadtpalastes.

„Der Zauberer von Camelot“, das sei vorweggenommen, erwies sich als eine Sternstunde des deutschen Musicals, und das, obwohl die zahlreichen Darsteller zum Teil noch sehr jung (und damit nicht unbedingt hochprofessionell) waren, und obwohl man, was die Musik angeht, ein wenig nach Hollywood schielte (insbesondere nach den Werken eines Alan Menken) . Vorab eine Bemerkung zur Raumakustik im Friedrichstadtpalast. Die Soundqualität ist als akzeptabel zu bezeichnen, könnte aber durchaus verbessert werden. Die teils an der Decke aufgehängten Lautsprecher beschallen das Auditorium offensichtlich nicht gleichmäßig, auch gab es eine unschöne Asymmetrie zwischen hohen und tiefen Tönen, die die Musik zu laut erscheinen ließ und die Dialoge etwas schwer verständlich machte. Im Falle des „Zauberers von Camelot“ wurde die gesamte Musik über Lautsprecher eingespielt, der Gesang der Hauptakteure war live, Chorpassagen waren wiederum Playback.

Das Stück beginnt mit einer Szene, mit der so viele Stücke beginnen, die sich vorwiegend an junge Zuschauer richten: mit Basecap tragenden Jugendlichen, die lautstark auf einem Hinterhof Basketball spielen und dabei von einem autoritären Erwachsenen, mal wieder der unvermeidliche Hausmeister (Thorsten Tinney), drangsaliert werden. Soweit, so klischeehaft. 

Natürlich geht es, wie sollte es im pädagogisch orientierten Kulturbetrieb Deutschlands anders sein, um Freundschaft und Ausgrenzung, und darum, wie man letztere überwindet. Doch soweit sind wir noch nicht. Die Zuschauer lernen den Hauptdarsteller Paul (Krisha Dalke) kennen, der sich nichts sehnlicher als eine Zaubererkarriere wünscht (Harry Potter lässt grüßen). Paul berichtet seiner Mutter (mondän und elegant dargestellt von der attraktiven Caroline Kiesewetter) davon, dass es bei ihm im Schulunterricht gerade um den Hof von Camelot und der Suche nach dem Heiligen Gral geht. Paul singt, an seinem Schreibtisch sitzend, das Lied „Ich möchte ein Zauberer sein“ – ein wahrer Ohrwurm, dessen Melodie auch das Leitthema des ganzes Stückes ist; eine Melodie, die man genauso gut – und das soll ein Kompliment sein – in Musicals wie „Pocahontas“, „König der Löwen“ oder „Der Glöckner von Notre Dame“ hätte unterbringen können. Dalkes Stimme ist angenehm, sein Gesang solide und sicherlich noch zu mehr Professionalität weiterzuentwickeln.

Das Bühnenbild (für das José Eduardo Luna Zankoff verantwortlich zeichnet) ist großartig in Szene gesetzt, und mithilfe zweier Drehbühnen, einer (etwas nervigen) Lasershow sowie jeder Menge Trockeneisnebel wird Paul in die Vergangenheit transportiert. Er findet sich in einem Wald wieder, in dem zum Knuddeln süße Maulwürfe (Mitglieder des Kinderensembles) einen Tanz aufführen. Nun poltert der Ritter Sir Agravaine auf die Bühne. Hierbei hemmungslos chargierend: Jens Wassermann, in diesem Stück der Hansdampf in allen Gassen, ja, der eigentliche Star des Musicals, der zudem in den Rollen eines Herolds, eines Ministers und eines sächselnden Kerkerwächters brilliert.

Agravaine nimmt Paul gefangen und verschleppt ihn nach Camelot. Die Pracht des Bühnenbildes entfaltet sich nun gänzlich: Dreh- und Hebebühne werden bemüht, die Kulissenschieber sorgen für Mauern, Tore, Treppen … und die Hofgesellschaft erscheint: Zofen, Küchenjungen, Mägde, Fahnenträger und Trompeter. Und als historischer Anachronismus treten auch die Beatles in Form vier pilzköpfiger kleiner Jungen auf, die allein für sich eine Show hinlegen, die es in sich hat.

Paul wird der Königin (wiederum Caroline Kiesewetter) vorgeführt und nach einigen Musikeinlagen in den Karzer gesteckt. Es folgt ein gut gemachten Skelettanz des Kinderensembles, anschließend erscheint ein einfaches Mädchen, um Paul Brot zu bringen: die burschikose Cathy, dargestellt von der sehr charmanten Katja Uhlig, deren Gesangsstimme sich durchaus mit jener von Alexandra Wilcke messen kann, der Synchronsprecherin/-sängerin aus „Pocahontas“ und „König der Löwen“. Cathy erfährt, dass Paul aus der Zukunft kommt. Sie warnt ihn vor Merlin, dem Hofzauberer, der keine Kinder leiden könne … und andere Zauberer schon gar nicht. Schließlich hilft sie Paul bei der Flucht.

Merlin (Thorsten Tinney), als griesgrämiger Kinderschreck dargestellt, steht vor dem leeren Kerker – eine wilde Jagd, durch den Bühnenwald und quer durch die Sitzreihen des Publikums, beginnt. Jäger und Gejagte bekommen es mit den Wölfen des Waldes zu tun, wobei den Kostümwerkstätten des Friedrichstadtpalastes ein besonders Lob zuteil werden muss: die Wolfskostüme sind wahrhaft originell, die leuchtenden Augen wirken in der Tat furchteinflößend. Der eine oder andere Aufschrei ging durchs Publikum, als die unheimlichen Gestalten auf die Zuschauer zu stapften. Überhaupt waren die Kostüme sorgfältig und liebevoll gearbeitet: die Ritterrüstungen der Kleinsten, die Kleider der Hofdamen und Zofen, die Gewänder der Knappen und Minister.

Paul erfährt, dass es den Kindern Camelots nicht gut geht und er beschließt, sich selbst zu stellen, um sie nicht zu gefährden. Schon bald trifft er auf Merlin, den er zum Kampf herausfordert. Nach einigen eher bescheidenen Zaubertricks und pyrotechnischen Einlagen schlägt er den bösen Zauberer in die Flucht. Paul wird nun von der Königin zum neuen Hofzauberer  ernannt – und damit zum eigentlichen Herrscher über Camelot. Nach einer triumphalen Gesangseinlage („Jetzt wird alles anders“) werden das Ensemble und die Zuschauer in die Pause entlassen.

Zweiter Akt: Eigentlich wäre nun die Luft aus der Geschichte, wenn das Musical nicht eine entscheidende (allerdings nicht ganz unerwartete) Wendung nehmen würde. Paul hat angeordnet, dass die Kinder ganztägig zur Schule gehen sollen, aber offenbar funktioniert der kleine Staat Camelot ohne Kinderarbeit nicht. Mittels des Liedes „Das hatten wir schon…“ bekommt Paul von seinen Ministern musikalisch die Leviten gelesen. Dabei kommt es zu einer versteckten Anspielung auf Erich Milke, den verstorbenen Stasi-Chef der DDR:

 Paul: „Aber ich liebe Euch doch alle“ – darauf die Minister: „Das hatten wir schon…“

Paul ist frustriert über seine misslungene Politik, und aus Wut verbietet er den Kindern Camelots eine Feier, auf die sie sich schon sehr gefreut hatten. Zu allem Unglück stellt Merlin (der im benachbarten Cadburie Unterschlupf gefunden hat) ein Ultimatum: Wenn sich Camelot ihm nicht ergibt und Schadensersatz zahlt, werde es zum Krieg kommen. Camelot hat keine Waffen mehr, dennoch denkt niemand daran, nachzugeben. Paul zeigt sich reumütig, versöhnt sich mit den Kindern – und will mit diesen gegen Merlin kämpfen! Die Kinder Camelots stimmen in seinen Gesang ein („Wir werden alles wagen, werden alle schlagen – denn wir sind gut … nur wir sind echte Krieger und sind immer Sieger“). Cathy ist es, die der Euphorie mit zwei handfesten Ohrwatschen ein Ende bereitet. Kampf sei keine Option, ein Plan müsse her. Natürlich hat sie schon einen: Die Kinder von Camelot treffen sich mit den eigentlich verfeindeten Kindern aus Cadburie. Cathys Plan geht auf: man einigt sich darauf, gemeinsam gegen Merlin und seine Mannen vorzugehen.

Dieser Teil der Handlung ist übrigens eine der Schwächen der Story – die Kinder aus Cadburie wurden vorher nicht erwähnt, und sie so plötzlich als Joker einzusetzen, ist stilistisch unsauber. Noch dicker kommt es, als die Kinder gemeinsam gegen Merlin und dessen Ritter mit Gewalt vorgehen. Cathy, die die Gewalt zuvor vehement abgelehnt hatte, verpasst Merlin einen Kinnhaken und andere Schläge und treibt ihn damit ein zweites Mal in die Flucht. Hier werden zur Verharmlosung einige konventionelle Lichteffekte eingesetzt, die nicht richtig wirken und die man besser weggelassen hätte.

Wiederum also ein Triumph gegen Merlin. Damit alles zum guten Ende kommt, schlägt Paul der Königin vor, dass Camelot zukünftig ohne Zauberer regiert werden soll; er will jedenfalls keiner mehr sein. Die Kinder Camelots wiederum wollen durchaus zur Schule gehen, aber nicht den ganzen Tag, sie wollen alle Feste mitfeiern und verlangen, dass die Ritter ihnen nichts mehr zu melden haben. Bleibt nur noch eine Frage: Wie kommt Paul, der von argem Heimweh geplagt wird, in die Gegenwart zurück? Die Königin weiß Rat: Merlin hatte irgendwo eine Geheimkammer, in der vermutlich Pauls Laptop versteckt ist. Und der Laptop ist der Schlüssel für die Zeitreise. Nach kurzer Suche wird ein Mechanismus gefunden, der eine Geheimtür öffnet – die Hebebühne des Theaters senkt und hebt sich, begleitet von geheimnisvollem Licht, von Trockeneisnebel und gruseligen Geräuschen. Ein großer Goldschatz wird sichtbar, der Camelot wohl auf lange Sicht den Wohlstand sichern wird – und natürlich ist auch Pauls Laptop wieder da.

Nachdem sich Paul von Cathy mit einem Kuss verabschiedet hat, wird der Laptop aktiviert und die Lasershow geht los – noch effektvoller als beim ersten Mal. Das Bühnenbild wird auf Gegenwart umgestellt und Paul wacht an seinem Schreibtisch auf. War alles nur ein Traum? Seine Mutter erscheint und meint, dass er eine Stunde lang allein gewesen sei. Cathy kommt ins Zimmer … sie heißt nun Katharina und will wissen, ob Paul mit den anderen Kindern Basketball spielen will. Paul hat seine Lektion gelernt und sagt zu. Doch eines bleibt merkwürdig: In Pauls Nähe steht ein Trinkpokal, den er in Camelot mitgenommen hatte … War das ganze doch kein Traum gewesen…?

Auf der Straße begrüßt er die Kinder, die das Publikum als Kinder aus Camelot wiedererkennt. Das Hauptthema wird angestimmt und es kommt zu einem Finale, das es in sich hat. Das ganze Ensemble strömt von überall her auf die Bühne, stimmt in den Gesang ein, verabschiedet sich von seinem wirklich begeisterten Publikum, das euphorisch klatscht, mit den Füßen stampft und jubelt. Und das ist es, worauf es ankommt: die jungen und erwachsenen Darsteller, das Team dahinter, haben es geschafft, ein wirklich kurzweiliges Musical auf die Beine zu stellen, inklusive einer großartigen Bühnenshow, fesselnden artistischen Einlagen (Anastasia Markelova sowie Schülern der Staatlichen Artistenschule Berlin!), mitreißenden Liedern und schönen Melodien.

Schade, dass es offensichtlich Hürden in der Hinsicht gab, dem Publikum eine CD (und sei es nur ein Mitschnitt) zum Kauf anzubieten. Dies hätte den begeisterten Fans die Möglichkeit gegeben, die Stimmen und Melodien auch in den eigenen vier Wänden zu genießen. Außerdem helfen solche Veröffentlichungen dabei, eine Veranstaltung überregional bekannt zu machen. Denn einem Stück wie „Der Zauberer von Camelot“ ist es sehr zu wünschen, dass es noch über etliche Bühnen läuft.

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