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Posts Tagged ‘Filmmusiker’

Philippe Sarde – Garcon!

Was für Jerry Goldsmith „The Great Train Robbery”, für Victor Young “Quiet Man” und für  Nino Rota die Arbeit für Fellini war, war für Sarde „Garcon“. Für den Filmerfolg mit Yves Montand schrieb er eine lebhafte, schwungbeladene, an den frühen Strawinsky und amerikanischen Musicals erinnernde symphonische Musik, die leider nur die Hälfte der Veröffentlichung füllend, glänzend instrumentiert und mit großem Elan vom London Symphony Orchestra gespielt wurde und dem Zuhörer eine wahrhaftigen humorig-musikalischen Rundumschlag offerierte. Da war auch die zweite Hälfte kein Bruch, wenn sie auch willkürlich die Hauptthemen von Sarde-Arbeiten für Claude Sautet zusammenstellt. Eher das Gegenteil, denn sie zeigte Sardes breite Stilpalette, die ihn von allen anderen Franzosen (wie Lai, Legrand und Delerue) unterschied: Sentimentale aber nie zu aufdringliche Themen („Un simple Histoire“), und moderne Rhythmen, die er mit dissonanten Tonfolgen („Mado“), Maestoso-Klängen („Cesar et Rosalie“) oder melancholischen Themen („Un mauvois fils“) verquickte. Ein richtiger Filmmusiker – und so etwas ist in Europa schon sehr rar…

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Lalo Schifrin

Claude Debussy und Richard Wagner sind keine Klassik-Komponisten, sondern Popmusiker, meinte jedenfalls der Vater von Lalo Schifrin. Vater Schifrin war immerhin der Konzertmeister des Sinfonieorchesters von Buenos Aires. Die stockkonservativen Ansichten seines Vaters hat Lalo Schifrin nicht übernommen. Im Gegenteil: Er rebellierte, wandte sich dem Jazz zu und landete schließlich bei der Filmmusik.

Am 21.06.1932 wurde Schifrin in der Hauptstadt Argentiniens geboren. Nicht nur sein Vater war im Teatro Colon beschäftigt, sondern auch ein Onkel. Der war dort Cellist und so blieb für Lalo Schifrin der Kontakt von früh an mit der Klassik nicht aus. Er mochte an klassischer Musik aber nicht festhalten. Nicht, dass er sie ablehnte, aber das Scheuklappendenken in Bezug auf musikalische Einteilungen, besonders durch seinen Vater, war es, dass die Klassik für ihn zu einer starren Musikrichtung machte. Musikalische Freiheit suchte und fand er zunächst im Jazz.

An der Universität von Buenos Aires studierte er Jura und Soziologie. Nebenher beschäftigte er sich immer weiter mit der Musik: Komponieren, Arrangieren, Orchestrieren, Spielen von Musik betrieb er quasi als ein Hobby. Bereits mit 16 Jahren war auch sein Interesse am amerikanischen Jazz gewachsen, den er – im Gegensatz zur europäischen Klassik  – als modern und frei empfand. Im Anschluss an das Jurastudium lernte er unter Juan Carlos Paz die formale Komposition. Danach zog es ihn zum Pariser Konservatorium, Oliver Messiaen und René Leibowitz waren dort seine Bezugspersonen. Nebenverdienste und Erfahrungen sammelte er durch Jazz-Konzerte in einer Bar.

Als er 1952 wieder nach Argentinien reiste, erhielt er dort erste Aufträge vom Fernsehen und vom Theater. Auch klassische Kompositionen realisierte er. Die Gründung einer Big Band war ein weiterer Schritt in seiner musikalischen Karriere. Bis 1957 etablierte er sich in seiner Heimat als Film- und Fernsehkomponist. 1958 kam er dann über seine Tätigkeit als Jazzmusiker nach New York. Als Arrangeur von bekannten amerikanischen Jazzern machte er sich alsbald einen Namen. Doch Schifrin zog es bald wieder zum Film. Das Fernsehen in Los Angeles wurde auf ihn aufmerksam. Kompositionsaufträge standen bald an: u. a. steuerte er Kompositionen zu „Die Leute von der Shiloh Ranch“ bei. Dann wurde er von MGM für das Kino angeheuert: „Joy House“ (1963). Die Musik „The Cincinnati-Kid“ gehört genau wie „Kobra, übernehmen Sie“ zu seinen bekanntesten Arbeiten. Das war 1965. Für die Kobra-Serie erhielt er Emmy-Nominierungen und 1967 schließlich gewann er zwei Grammys. Im jenem Jahr vertonte er auch die Serie „The Rise And The Fall Of The Third Reich“.

1968 vertonte Lalo Schifrin Don Siegels „Coogan‘s Bluff“, er lieferte für den Film mit dem widerlichen Bullen eine Musik im Country-Stil. Im selben Zeitraum folgte „Bullit“, ein Film mit Steve McQueen in der Hauptrolle. 1969 wurde er vorzeitig bei einem Filmprojekt gefeuert. Er hatte in jenem Jahr bereits „Che!“ vertont, als der Auftrag zu „The Reivers“ kam – doch sein Score wurde dann abgelehnt und John Williams als neuer Komponist verpflichtet. 1970 begann Schifrin mit der Arbeit zu einem weiteren Don Siegel-Film: „Dirty Harry“. 1972 setzte er für einen Western Synthesizer-Musik ein: „Joe Kidd“. Das Jahr brachte weitere Filme für Lalo Schifrin:  „Prime Cut“, „Rage“, „To Be Free“, „The Wrath Of God“. 

1973 lieferte er den Score zu dem Bruce Lee-Film „Enter The Dragon“. Auch wurde er für „The Exorcist“ als Filmkomponist beauftragt, flog aber wieder vorzeitig aus dem Projekt heraus. Mike Oldfields „Tubular Bells“ wurde zum Titelthema des Streifens. 1974 arbeitete er für den zweiten Musketier-Film von Richard Lester – „The Four Musketeers“. Den ersten Teil, „The Three Musketeers“, hatte Michel Legrand vertont. Dann komponierte Schifrin für „Petrocelli“ und „Voyage Of The Damned“. „Rollercoaster“ („Achterbahn“) war wohl der Film, der sich das Sensorround-Tonverfahren am perfektesten zu Eigen machte. Schifrins Musik war adäquat in diese seinerzeit aufsehenerregende Attraktion eingebaut. In dem 1977 gedrehten Streifen fügte er auch Ideen von Bernard Herrmann ein, den er seinerzeit in Hollywood kennengelernt hatte.

Ungeachtet seines fortgeschrittenen Alters, bald 76 Jahre, ist Schifrin weiterhin musikalisch aktiv, auch als Filmkomponist.

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