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Archive for the ‘Portraits’ Category

Klaus Doldinger wurde am 12 Mai 1936 in Berlin geboren. Er wuchs in Wien auf und ging später in Düsseldorf zur Schule, wo er sich schon früh für Musik, speziell Jazz, interessierte. 1947 nahm er Klavierunterricht und 1952 schloss er sich einer Band an, in der er Klarinette und Klavier spielte. Mit dieser Band, den Feetwarmers, gab er viele Konzerte und gewann er eine Anzahl von Preisen. 1960 bekam er einen ersten Kompositionsauftrag für einen Zeichentrickfilm, wozu ihn seine Frau, die er ebenfalls 1960 geheiratet hatte, „regelrecht überreden“ musste.

1962 gründete er das Klaus Doldinger-Quartett, und 1963 erschien seine erste Langspielplatte: „Doldinger – Jazz made in Germany.“ Die Platte wurde in 20 Ländern veröffentlicht, auch in den USA – für deutsche Verhältnisse damals eine Sensation. 1964 dann startete er eine große Auslandstournee: Skandinavien, Italien, Afrika, die damalige Tschechoslowakei und Mittlerer Osten. Er übernahm die Leitung des Gershwin-Musicals „Girl Crazy“. Die Presse schrieb: „Dass die Musik an diesem Abend nie weich, nie gefühlig, nie aufgeschwemmt wirkt, ist dem famosen Akkompagnement  durch das Klaus-Doldinger-Quartett zu verdanken. Dadurch erhält die Aufführung ihren Swing.“ In der gleichen Zeit trat er auch im legendären Hamburger Star Club auf.

1971 zeigte die ARD jenes Konzert, in dem das Klaus-Doldinger-Quartett gemeinsam mit dem Münchener Jugend-Sinfonie-Orchester das Concerto für Jazz-Band und Sinfonieorchester, komponiert von Doldinger daselbst, aufführte. Außerdem wurde in diesem Jahr die Gruppe Passport gegründet.

Klaus Doldinger ist Jazzer, Filmmusiker, Musikproduzent, Arrangeur und nicht zuletzt förderte er zahlreiche junge Talente. Er hat Hunderte Musiken für Kino und Fernsehen geschrieben. Und das, obwohl ihm manch ein Jazzmusiker Verrat an der guten Sache vorwarf und von kommerziellen Abwegen lamentierte. Doldingers berühmteste Filmmusik ist zweifellos „Das Boot“, aber auch die Trailermusik zur Krimi-Dauerserie „Tatort“ ist nahezu jedem Fernsehzuschauer im deutschsprachigen Raum geläufig.

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Kalman

Charles Kálmán wurde am 17.11.1929 in Wien, als Sohn des Opernkomponisten Emmerich Kálmán und dessen Frau Vera geboren. 1938 emigrierte die Familie nach Kalifornien, USA, wo Charles amerikanische Schulen besuchte und seine ersten Erfahrungen als Musiker sammelte. 1967 kehrte er nach Deutschland zurück, wo er mit seiner Frau Ruth (Witwe des „Kommissar“-Komponisten Herbert Jarszyk) in München lebt. Er hat zahlreiche Konzertwerke geschrieben (Klavierkonzerte, die „Globetrotter-Suite“, sowie viele kurze Stücke), deren Charakter irgendwo zwischen U- und E-Musik anzusiedeln wäre. Ebenso schrieb er zahlreiche Bühnenmusiken, Chansons und Lieder (u.a. für Milva, Harald Juhnke, Evelyn Künneke). Seine Filmmusiken verraten einen sehr engagierten und auf das Medium Film fixierten Enthusiasten. Für seine Arbeit zu „Kein Reihenaus für Robin Hood“ erarbeitete er, nachdem er die Bach‘schen Inventionen studiert hatte, ein Thema von dem er zeitweise nur einzelne Figuren verwendete, und weil er auch ein bisschen jazzen wollte, erfand er ein Saxophon-Thema für die Hauptdarstellerin. Bei dem TV-Thriller „Hinter der Tür“ stand er dann mit acht Musikern den zumeist 100 Musikern der Herrmann-Hitchcock-Soundtracks gegenüber, die Regisseur Wolf Gremm als Vorbild genannt hatte. Kálmán löste sich aber von den Herrmann-Musiken (bis auf wenige Horror-Interludien) und entwarf unter anderen ein großes H-Moll-Thema, das an das in B-Dur stehende Spieluhr-Thema im Höhepunkt des Films aneckt, womit Kálmán bewusst den schrillen Streicherklang der Duschmordszene aus „Psycho“ umgehen wollte.

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Hans-Martin Majewski

Geboren wurde Hans-Martin Majewski am 14. Januar 1911 in Schlawe, Pommern. Der Sohn eines Veterinärrats besuchte an seinem Geburtsort das Gymnasium und anschließend bis 1930 eine staatliche Bildungsanstalt in der Stadt Köslin. Danach studierte er in Königsberg Medizin, ließ sich dort aber bereits von den Straube-Schülern Joachim Ansorge und Traugott Fedke in der Musik und im Tonsatz unterweisen.

Ab 1932 schließlich widmete sich Majewski dann ausschließlich in Leipzig der Musik. Er studierte bei den Professoren Hermann Grabner, Kurt Thomas, Robert Teichmüller, Max Hochkoffler, Bruno Walter, Max Ludwig u. a. Theorie und Kompositionslehre, Dirigenten- und Opernschule.

1935 ging er nach Berlin und begann dort seine erste Tätigkeit als Korrepetitor- und Kapellmeister am „Theater des Volkes“. 1938 verfasste er zwei Operetten, die auf Bühnen in Berlin, Oldenburg und Zwickau aufgeführt wurden. 1940 beendete er seine Filmmusik zu „Flucht im Dunkel“, die von den Nazizensoren fast wieder aus dem Streifen herausgenommen worden wäre. Der Krieg hatte begonnen und Majewski wurde zur Wehrmacht einberufen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet er kurz in russische Kriegsgefangenschaft, und als er nach Deutschland zurückkehrte, wurde er von britischen Militärs verhaftet, da man ihn mit Helmut Majewski von der ehemaligen „Reichsjugendführung“ verwechselte. Es vergingen fünf lange Monate, bis die Engländer ihren Irrtum bemerkten, Majewski wurde freigelassen. Er zog nach Hamburg, das seine neue Heimatstadt wurde und komponierte literarische Kabarett-Chansons, die auch über den Rundfunk der Hansestadt gesendet wurden. Für den Rundfunk schließlich verfasste er zahlreiche Musiken für Hörspiele, dem folgten weitere Kompositionen für Bühnenstücke.

1947 kam wieder eine Arbeit für den Film: „Ruhrgebiet – Kraftquelle Europas“, ein Dokumentarfilm, der auch auf der Biennale in Venedig gezeigt wurde. Anschließend vertonte er „Liebe 47“ von Wolfgang Liebeneiner.

Insgesamt schrieb Majewski über 200 Filmmusiken. „Ich werde so lange Filmmusik schreiben, bis ich alle musikalischen Möglichkeiten und Grenzen abgetastet habe und ich spüre, dass auch auf dem experimentellen Wege – wenigstens von Fall zu Fall – kein unbeschrittenes Neuland mehr zu entdecken ist“, sagte er.

Hans-Martin Majewski starb am 1. Januar 1997 in Bötersen, Niedersachsen.

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Franz Waxman

Von Wachsmann zu Waxman

Kochendes Wasser geriet auf seine Netzhaut, als er im Alter von drei Jahren versuchte, einen Ofen zu erklimmen – er warf dabei einen aufgesetzten Topf um. Sein ganzes Leben lang musste er wegen dieser Augenverbrühung starke Brillengläser tragen.

Als er 28 Jahre alt war, wurde er in Berlin auf offener Straße von Faschisten verprügelt.

Zwei traumatische Stationen im Leben eines bedeutenden Komponisten: Franz Wachsmann, der sich später in Amerika Franz Waxman nennen sollte. Die Namensänderung und die darauf folgende Annahme der amerikanischen Staatsbürgerschaft (1939) fiel ihm nicht schwer: Während sein Bruder Max im Ersten Weltkrieg für Deutschland fiel wurde ein anderer Bruder, Fritz, während des Zweiten Weltkrieges in einem Konzentrationslager ermordet.

Wachsmann wurde am Heiligen Abend des Jahres 1906 in Königshütte, Oberschlesien, geboren. Außer Fritz und Max hatte er vier weitere Geschwister. Drei Brüder und eine Schwester – Frieda, die noch lange Zeit in Los Angeles lebte. Mit 12 Jahren begann Franz sich für klassische und populäre Musik zu interessieren. Das Klavierspiel gehörte zu seinen Hobbys. Doch Vater Otto Wachsmann wollte von Musik nichts wissen. Franz musste einen Job am Schalter einer Bank annehmen; nach einem halben Jahr hatte er genug davon. Er widersetzte sich seinem Vater und ging an die Musikakademie in Dresden. Anschließend wechselte er zum Berliner Konservatorium über, wo er Komposition und Dirigieren studierte. Das Geld dazu musste er sich als Klavierspieler in Bars und Cafés verdienen. Friedrich Hollaender war damals Hauskomponist der bekannten Jazzformation „Weintraub Syncopaters“. Hollaender wurde auf Wachsmann aufmerksam und sorgte dafür, dass dieser bei der UFA als Orchestrator und Dirigent eingestellt wurde.

Seine erste eigene Filmmusik schrieb Wachsmann 1933 für den Fritz Lang-Film „Liliom“ – ein choraler Score. Im gleichen Jahr heiratete er Alice P. Schachmann, die er während eines Dänemark-Urlaubs kennengelernt hatte. Inzwischen griff in Deutschland das Nazitum um sich. Für Wachsmann wurde es Zeit, das Land zu verlassen. Er siedelte nach Paris.

Obwohl damals noch nicht abzusehen war,  dass Deutschland Frankreich besetzen würde, verließ Wachsmann bereits 1935 die Grande Nation. Durch den ehemaligen UFA-Mann Erich Pommer gelang es ihm schnell, in den USA Fuß zu fassen. Zunächst bearbeitete er dort das Kern/Hammerstein-Werk „Music In The Air“ für den Film.

Wachsmann fühlte sich alsbald wie ein Amerikaner. Er strebte die Staatsbürgerschaft an, bekam sie 1939, und nannte sich fortan Waxman. Von James Whale bekam Waxman angeboten, die Musik zu „The Bride Of Frankenstein“ zu schreiben. Er nahm den Auftrag an. Die Universal war begeistert: sie engagierte Waxman als Musikdirektor. Seine Aufgabe war es, die Filmproduktion musikalisch zu überwachen. Selbst schrieb Waxman dabei ein Dutzend Scores. Sein Erfolg zahlte sich auch finanziell aus.  1939 konnte er seine Schwester und seine Eltern nach Los Angeles holen. Ein Jahr später wurde sein einziges Kind, sein Sohn John, geboren.

Doch der Job als Musikdirektor lag Franz Waxman nicht. Er wollte lieber selber schreiben und nicht die Arbeit anderer kontrollieren. So wechselte er zu MGM – gleich mit einem 7-Jahresvertrag – und schrieb jährlich ungefähr 8 Filmmusiken. Auch wurde er für andere Filmstudios freigestellt, so 1941 für Alfred Hitchcocks „Suspicion“. Nach seiner MGM-Zeit wechselte er zu Warner Bros., bei denen u. a. die renommierten Komponisten Max Steiner und Erich Wolfgang Korngold unter Vertrag waren. Bereits zahlreiche Filmmusiken hinter sich gründete Waxman 1947 das „Los Angeles Music Festival“, das er aus eigener Tasche finanziell unterstützte. Bei diesem Festival zeigte Waxman seine Liebe zur Klassik.

Für Billy Wilders „Sunset Boulevard“ (1950) erhielt er seinen ersten Oscar. Im Jahre 1951 erhielt er einen weiteren Academy Award für George Stevens „A Place In The Sun“. In dieser Zeit fuhr Waxman jährlich nach Europa, um dort als Gastdirigent aufzutreten. In Amsterdam führte er eine Suite aus „A Place In The Sun“ auf.  Als 1954 Alfred Newmans „The Robe“ nicht für die Sparte „Bester Score“ nominiert wurde, trat Waxman empört aus der Academy aus. Er verehrte diesen Score und vertonte 1955 die Filmfortsetzung von „The Robe“: „Demetrius And The Gladiators“. Seine Musik zu „The Silver Chalice“ wurde 1954 für den Oscar nominiert. Gewählt wurde aber schließlich Dimitri Tiomkins „The High And The Mighty“.

1957 verstarb Waxmans Frau Alice. Ein Jahr später heiratete er die Pianistin Leela Saenger-Sethe – eine Ehe, die 1965 mit Scheidung endete. Für „The Nun’s Story“ wurde Waxman zum elften Mal für den Oscar nominiert. Diesmal überließ er den Preis gerne an Miklos Rozsa, der ihn für „Ben Hur“ verliehen bekam. „The Lost Command“ (1966) war die letzte Kinomusik von Waxman, für das Fernsehen folgte noch „The Last Hundred Miles“. Waxman machte sich viele theoretische Vorstellungen über Filmmusik – er sah sie eindeutig als selbständige Kunstform. Die Verbindung und die Wechselwirkung von Film und Musik beschäftigten ihn sehr: „Die Inspiration der Musik ergibt sich aus der dynamischen Kraft der Geschichte. Werner Jansen tat dies bei „The General At Dawn“ – er vermied chinesische Musik und Instrumentation, um die Stimmung des Dramas nicht zu beeinträchtigen.“ – „Ein doppelter Höhepunkt ist kein guter Höhepunkt. Manchmal erreichen Musik und Film gemeinsam einen Höhepunkt. Aber wenn der Schauspieler mit seinem Dialog einen großen Moment erreicht, würde die Musik alles überschwemmen.“

Am 24. Februar 1967 erlag Franz Waxman einem Krebsleiden.

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Rolf Wilhelm

Rolf Wilhelm wurde am 23. 6. 1927 in München geboren und erhielt ab seinem 6. Lebensjahr Klavierunterricht. Als er zwölf Jahre alt war, siedelte die Familie nach Wien über. Mit 14 Jahren besuchte Wilhelm die dortige Musikhochschule. Er belegte die Fächer Klavier und Komposition unter Josef Marx, einem seinerzeit in Österreich bekannten Komponisten. Das Studium in Wien währte zunächst nur zwei Jahre, denn es wurde durch die Einberufung des nun Sechzehnjährigen zum Kriegsdienst unterbrochen. Mit Kriegsende kehrte die Familie nach München zurück. Bereits 1948 wurde der junge Wilhelm mit Kompositionen für den neu geschaffenen Sender „Radio München“ beauftragt. Parallel dazu beendete er in der Zeit zwischen 1946 und 1948 an der Hochschule für Musik in München das unterbrochene Studium. Seine Lehrer zu dieser Zeit waren Josef Haas in Komposition und Hans Rosbaud in der er Dirigentenklasse. Während dieser Zeit hat Wilhelm ständig an eigenen Kompositionen gearbeitet. So erklärt es sich auch, dass in der Zeit bis 1954 etwa 350 Hörspiele musikalisch von ihm betreut wurden. Mit der Einführung des Fernsehens begann auch seine Arbeit für dieses Medium. 1954 erhielt Wilhelm seinen ersten Filmmusik-Auftrag („08/ 15“). Es war der erste deutsche Film nach dem Kriege, der das Thema Militär behandelte, für die damalige Zeit ein gewagtes Unterfangen. Im gleichen Jahr entstand die Musik zu  „Phantom des großen Zeltes“.

In den folgenden Jahren teilte Rolf Wilhelm seine Aktivitäten zwischen Rundfunk, Fernsehen und Film auf. Bis Ende der 60er-Jahre entstanden in Deutschland noch Filme, die es den Komponisten ermöglichten, Musiken für große Orchester zu schreiben. In diese Zeit fallen auch Wilhelms Kompositionen für episch angelegte Heimatfilme, wie zum Beispiel „… und ewig singen die Wälder“ (1959), „Das Erbe von Björndal“ (1960), „Via Mala“ (1961), und eine ganze Reihe von Werken verfilmter Literatur, zum Beispiel „Tonio Kröger“ (1964) und „Wälsungenblut“ (1964). Der letzte große sinfonische Auftrag war der zwei Teile umfassende Streifen „Die Nibelungen“,1966, dessen Musik 1981 erstmals auf Schallplatte erschien. Rolf Wilhelm kreierte eine groß angelegte, epische Musik, reich an Klangfarben und von mitreißender Ausdruckskraft. Er erzählt aus dieser Zeit gerne die Geschichte über die finanziellen Diskussionen, die es mit dem Berliner Produzenten Arthur „Atze“ Brauner gab. Für den ersten Teil hatte Wilhelm eine Partitur geschrieben, die von einem 80-Mann-Orchester gespielt wurde. Die Aufnahmen kosteten die Produktion rund 15.000 DM – im Grunde genommen also eine recht günstige Filmmusik. Für den zweiten Teil der „Nibelungen“ wollte Atze Brauner dann nur noch 5000 DM herausrücken. Rolf Wilhelm musste also, um die Musik für den Folgefilm realisieren zu können, den Bittgang um mehr Geld antreten. Nach einigen Verhandlungen gab der als geizig verschriene Produzent noch 2000 DM dazu. Insgesamt musste Wilhelm also mit 7000 DM auskommen – er löste diese Aufgabe meisterhaft: Der zweite Teil des Films bestand aus zahlreichen Kriegsszenen und der Komponist setzte zum Teil recht exotische Blas- und Schlaginstrumente ein, die dem Score einen harten, kompromisslosen Charakter verliehen und der ausgezeichnet die Grausamkeit des Filmgeschehens kommentierte.

Befragt man Rolf Wilhelm nun hinsichtlich seiner Ambitionen zu so genannten „ernsten Musik“, so erhält man von ihm eine eigentlich überraschende Antwort. Er, Rolf Wilhelm, der sich in Partituren wie eben „Die Nibelungen“, „Via Mala“, „…und ewig singen die Wälder“, „Das Erbe von Björndal“, „Tonio Kröger“, usw. als ein Meister der der großen sinfonischen Musik erweist, gesteht dann, dass er selbst, so wörtlich, „den Konzertsaal“ als einen „heiligen Tempel“ ansieht. Seine Kompositionen für Film, Fernsehen und Rundfunk betrachtet er als „Kunsthandwerk“. Ende der 50er bis Anfang der 60er-Jahre fand in Stuttgart alljährlich die „Woche der leichten Musik“ statt. Rolf Wilhelm gehörte zu dieser Zeit als Gastdirigent zu den ständigen Betreuern  dieser Veranstaltungen. Zur Aufführung kamen hier Lieder, Ouvertüren und Suiten. Diese Musiken basierten oftmals auf Fernseh- und Spielfilmmusiken. Für eine solche Woche brachte er als Gastdirigent (neben anderen Kompositionen aus eigener Feder) einen „Kriminalroman in 5 Kapiteln für großes Orchester und 5-schüssigen Revolver“ mit. Augenzwinkernd erklärt er, dass dies bis dahin sein einziges Orchesterwerk für den Konzertsaal gewesen sei.

Schaut man nun die Filmographie Rolf Wilhelms durch, so finden sich mit Ausgang der 60er-Jahre lediglich Aufträge wie „Allerneueste Lausbubengeschichten“ (1966), „Die Lümmel von der ersten Bank“ (1968), und, und, und… Die Liste dieser platten deutschen Filmchen wird eigentlich erst rund 10 Jahre später durchbrochen und in der Folge auch beendet (mit Ausnahmen). Der „Junge Deutsche Film“ etablierte sich zunächst überwiegend im Ausland, was danach auf das Ursprungsland zurückstrahlte. Rolf Wilhelm erhielt zu dieser Zeit auch wieder akzeptable Angebote („Abelard“, 1975). Im folgenden Jahr drehte der weltbekannte Regisseur Ingmar Bergman in München den Film „Schlangenei“. Rolf Wilhelm, der auch schon die „Szenen einer Ehe“ musikalisch abstinent betreut hatte, stand hier vor dem Problem, die 20er-Jahre Deutschlands musikalisch auferstehen zu lassen. Er trug zunächst einmal Originalmusiken dieser Zeit zusammen, also bereits Komponiertes. Daneben schrieb er eigene Kompositionen – und Ingmar Bergman bekam schließlich alles ohne Autorenangabe vorgelegt. Er entschied sich für die Kompositionen seines Komponisten, quasi anonym. Die Arbeit an dieser Musik machte Rolf Wilhelm viel Spaß, und in dem Drang, die Musik so originell klingen zu lassen wie irgend möglich (was auch Wunsch und Wille des Regisseurs war), wurden solche Musiker verpflichtet, die auf dem jeweils zu spielenden Instrument nicht so fit waren (ein guter Trompeter muss nicht notgedrungen auch gut Geige spielen), denn in einem drittklassigen Varietee spielten und spielen nicht gerade Virtuosen von Weltklasse. Weiterhin wurde mit verhältnismäßig primitiven Geräten in den Originaldekorationen aufgenommen. Die Arbeitsweise und das Ergebnis begründeten eine auch weiterhin gute Zusammenarbeit zwischen Ingmar Bergmann und Rolf Wilhelm.

Rolf Wilhelm hat inzwischen das 80. Lebensjahr überschritten, sein filmmusikalisches Schaffen fand in den 90er-Jahren u. a. in seinen Arbeiten für die Loriot-Kinofilme einen würdigen Abschluss.

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Lalo Schifrin

Claude Debussy und Richard Wagner sind keine Klassik-Komponisten, sondern Popmusiker, meinte jedenfalls der Vater von Lalo Schifrin. Vater Schifrin war immerhin der Konzertmeister des Sinfonieorchesters von Buenos Aires. Die stockkonservativen Ansichten seines Vaters hat Lalo Schifrin nicht übernommen. Im Gegenteil: Er rebellierte, wandte sich dem Jazz zu und landete schließlich bei der Filmmusik.

Am 21.06.1932 wurde Schifrin in der Hauptstadt Argentiniens geboren. Nicht nur sein Vater war im Teatro Colon beschäftigt, sondern auch ein Onkel. Der war dort Cellist und so blieb für Lalo Schifrin der Kontakt von früh an mit der Klassik nicht aus. Er mochte an klassischer Musik aber nicht festhalten. Nicht, dass er sie ablehnte, aber das Scheuklappendenken in Bezug auf musikalische Einteilungen, besonders durch seinen Vater, war es, dass die Klassik für ihn zu einer starren Musikrichtung machte. Musikalische Freiheit suchte und fand er zunächst im Jazz.

An der Universität von Buenos Aires studierte er Jura und Soziologie. Nebenher beschäftigte er sich immer weiter mit der Musik: Komponieren, Arrangieren, Orchestrieren, Spielen von Musik betrieb er quasi als ein Hobby. Bereits mit 16 Jahren war auch sein Interesse am amerikanischen Jazz gewachsen, den er – im Gegensatz zur europäischen Klassik  – als modern und frei empfand. Im Anschluss an das Jurastudium lernte er unter Juan Carlos Paz die formale Komposition. Danach zog es ihn zum Pariser Konservatorium, Oliver Messiaen und René Leibowitz waren dort seine Bezugspersonen. Nebenverdienste und Erfahrungen sammelte er durch Jazz-Konzerte in einer Bar.

Als er 1952 wieder nach Argentinien reiste, erhielt er dort erste Aufträge vom Fernsehen und vom Theater. Auch klassische Kompositionen realisierte er. Die Gründung einer Big Band war ein weiterer Schritt in seiner musikalischen Karriere. Bis 1957 etablierte er sich in seiner Heimat als Film- und Fernsehkomponist. 1958 kam er dann über seine Tätigkeit als Jazzmusiker nach New York. Als Arrangeur von bekannten amerikanischen Jazzern machte er sich alsbald einen Namen. Doch Schifrin zog es bald wieder zum Film. Das Fernsehen in Los Angeles wurde auf ihn aufmerksam. Kompositionsaufträge standen bald an: u. a. steuerte er Kompositionen zu „Die Leute von der Shiloh Ranch“ bei. Dann wurde er von MGM für das Kino angeheuert: „Joy House“ (1963). Die Musik „The Cincinnati-Kid“ gehört genau wie „Kobra, übernehmen Sie“ zu seinen bekanntesten Arbeiten. Das war 1965. Für die Kobra-Serie erhielt er Emmy-Nominierungen und 1967 schließlich gewann er zwei Grammys. Im jenem Jahr vertonte er auch die Serie „The Rise And The Fall Of The Third Reich“.

1968 vertonte Lalo Schifrin Don Siegels „Coogan‘s Bluff“, er lieferte für den Film mit dem widerlichen Bullen eine Musik im Country-Stil. Im selben Zeitraum folgte „Bullit“, ein Film mit Steve McQueen in der Hauptrolle. 1969 wurde er vorzeitig bei einem Filmprojekt gefeuert. Er hatte in jenem Jahr bereits „Che!“ vertont, als der Auftrag zu „The Reivers“ kam – doch sein Score wurde dann abgelehnt und John Williams als neuer Komponist verpflichtet. 1970 begann Schifrin mit der Arbeit zu einem weiteren Don Siegel-Film: „Dirty Harry“. 1972 setzte er für einen Western Synthesizer-Musik ein: „Joe Kidd“. Das Jahr brachte weitere Filme für Lalo Schifrin:  „Prime Cut“, „Rage“, „To Be Free“, „The Wrath Of God“. 

1973 lieferte er den Score zu dem Bruce Lee-Film „Enter The Dragon“. Auch wurde er für „The Exorcist“ als Filmkomponist beauftragt, flog aber wieder vorzeitig aus dem Projekt heraus. Mike Oldfields „Tubular Bells“ wurde zum Titelthema des Streifens. 1974 arbeitete er für den zweiten Musketier-Film von Richard Lester – „The Four Musketeers“. Den ersten Teil, „The Three Musketeers“, hatte Michel Legrand vertont. Dann komponierte Schifrin für „Petrocelli“ und „Voyage Of The Damned“. „Rollercoaster“ („Achterbahn“) war wohl der Film, der sich das Sensorround-Tonverfahren am perfektesten zu Eigen machte. Schifrins Musik war adäquat in diese seinerzeit aufsehenerregende Attraktion eingebaut. In dem 1977 gedrehten Streifen fügte er auch Ideen von Bernard Herrmann ein, den er seinerzeit in Hollywood kennengelernt hatte.

Ungeachtet seines fortgeschrittenen Alters, bald 76 Jahre, ist Schifrin weiterhin musikalisch aktiv, auch als Filmkomponist.

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Previn

Heute wissen nur noch wenige Konzertbesucher, dass der weltweit anerkannte und gefeierte Pianist und Dirigent seine Sturm- und Drangjahre in Hollywood, als Vertrags-Komponist/Dirigent bei MGM verbrachte und auch nach seiner Trennung von diesem Studio noch bis 1966 als Filmkomponist tätig war.

Previn war (und wird es wohl auf lange Zeit bleiben) der jüngste Filmkomponist, den Hollywood hervorgebracht hat: Bereits mit 15 Jahren wurde er als Arrangeur in John Greens Musikstab bei MGM verpflichtet und war schon als 18jähriger imstande, mit seiner ersten Filmmusik die Mutter-Schnulze „The Sun Comes Up“ einzukleiden. In den folgenden 6 Jahren arbeitete er ständig in diesem Medium und vertonte u. a. die Adaption von Kiplings „Kim“, wo er ganz bewusst nur im Main- und End-Title großes Sinfonieorchester auffuhr und den Rest des Films mit indischer Folklore versah.

Sein erster wirklich großer Score war seine bis in die schärfste Dissonanz hineingesteigerte Musik zu „Bad Day At Black Rock“ („Stadt in Angst“), 1954. Previns Beitrag zu diesem inzwischen klassisch gewordenen Thriller um gesellschaftliche Vorurteile und die daraus resultierende Eskalation von Gewalt war ein notwendig aggressiver Rahmen. Es dürfte auch einer der ersten (wenn nicht der Erste) Hollywood-Musiken gewesen sein, die sich an Kompositionstechniken des 20. Jahrhunderts anlehnten (Leonard Rosenman, der 1956 für MGM und den Film „The Cobweb“ 12-Ton-Musik komponierte, kam erst ein Jahr später). Durch die vornehmlich dirigistische Mitarbeit an Musicals, wie „Kismet“, „Kiss Me Kate“, „It’s Always A Fair Weather“, etablierte er sich auch als musikalischer Leiter, dessen Funktion er mit Oscar-Erfolgen bei der Betreuung von „Porgy And Bess“, „My Fair Lady“, „Gigi“ und „Irma La Douce“ fortsetzte.

Nach der Trennung von MGM wählte er seine Stoffe frei aus und vertonte eine Reihe anspruchsvoller Sujets wie „Elmar Gantry“ (eine gelungene Verschmelzung von Americana, Gospelgesängen und sinfonischer Dramatik), den Cool-Jazz orientierten „The Subterraneans“ und natürlich „The Four Horseman Of Apocalypse“, sein wohl bekanntester aber nicht bester Score. Zum Film kehrte Previn nach seinem Abschied (mit Billy Wilders „Fortune Cookie“) nur noch gelegentlich als Dirigent zurück (z. B. „Rollerball“ [plus zwei dekadenter Partymusiken], „Way West“, „Music Lovers“).

Seine Tätigkeit als Komponist für dieses Medium war nicht von wesentlicher Bedeutung, doch hatte Hollywood mit Previn sicher einen sehr nuancierten und versierten Musiker hervorgebracht.

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