Peer Raben – Musik aus Fassbinder-Filmen – Die flambierte Frau – Die Schaukel

Peer-Raben-Filmmusiken

Über den im Januar 2007 verstorbenen Peer Raben eine Kritik zu schreiben, wird einem nicht einfach gemacht – war er doch lange Zeit von allen Filmmusik-Liebhabern zum Buhmann deutscher Filmmusik gekürt worden. Doch um ihm einigermaßen gerecht zu werden, scheint ein Satz von Georg Haentschel eine ideale Hilfe zu sein: „Bei Raben wechseln sich tatsächlich primitive musikalische Arbeiten mit wirklich durchaus geschickten Kompositionen ab.“

Diese fast schon schizophrene Definition seiner Musik lässt sich nahtlos auf seine Veröffentlichungen übertragen. Nehmen wir doch einmal das Fassbinder-Album (eine an sich schon wichtige dokumentarische Veröffentlichung im Hinblick auf die deutsche Filmmusik): Da sind einerseits die Stücke, die sich peinlich und hilflos zwischen einer banalen, einfachen Rhythmik und unsicheren Themen- und Motivfiguren bewegen, zu denen sich aber auch eine stilsichere Serenade („Faustrecht der Freiheit“), ein phantasievoller Walzer („Schatten der Engel“), sinfonische Stimmungsmalerei in der Manier eines frühen Schönbergs („Angst vor der Angst“) und ein wehmütiges Saxophonthema („Die dritte Generation“) gesellen. Das Interessanteste an dieser Veröffentlichung ist aber das Requiem „Der Wald“ (aus Rabens „Berlin Alexanderplatz“-Musik), das den Mord an Mieze, der Freundin des Helden Franz Bieberkopf begleitet. Raben baut hier um ein von drei Klavieren getragenes Klanggewebe (wobei er zwei Klavieren reine Läuferfunktionen und dem dritten Cluster- Glissandiaufgaben erteilt) die einzelnen Themen und Motive der Hauptpersonen. Doch muss man, um der Intuition des Komponisten folgen zu können, sowohl die Handlung kennen, als auch die im Album ausgedruckte Partiturseite mit den Themen und Motiven lesen können. Unter solchen Voraussetzungen ist allerdings das Unterfangen ein herrlich intellektueller Spaß.

Die Einzelsoundtracks weisen allerdings seine Schwachstellen am stärksten auf. Das beginnt mit „Flambierte Frau“ (wobei die Hälfte der Veröffentlichung ohnehin aus Popnummern besteht), wo nur das Schlussstück „A Burning Whore“ mit seinem stechenden Rhythmus und Soloinstrumentarium Rabens Eigenwilligkeit beweist. „Die Schaukel“ überzeugt dann wieder mehr – verdankt der Film doch auch der Musik Rabens so manchen atmosphärischen Tupfer, so manche Nostalgie, die dem Bild nicht immer so recht gelingen wollte. Hier reichen sich Volksmusik, Klassik (u. a. die Verarbeitung von klassischen Stücken) und das Idiom Rabens die Hand. Insgesamt lässt sich sagen, dass Raben ein geschickter Filmmusiker war, von dem so manche Produktion profitierte.

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