Filmmusik Weblog

Kritiken, Infos, Soundtrack-Gelaber

Eine Warnung aus den 80ern

Zeitungsbericht

17. März 2008 Verfasst von filmmusik | Goldsmith, Redaktionelles | , , , | Noch keine Kommentare

Jerry Goldsmith: Twilight Zone – The Movie

Twilight Zone The Movie Soundtrack

Keine Frage, mit „Twilight Zone“ hatte Jerry Goldsmith 1983 nicht nur seine künstlerische Flaute überwunden, sondern zugleich auch noch seiner Karriere einen weiteren Höhepunkt hinzugefügt. Gerade mit diesem Score bestätigte er einmal mehr seinen Ruf als vielseitigster Komponist seiner Zeit. Für jede der vier grundverschiedenen und inhaltlich voneinander unabhängigen Episoden des Films schrieb Goldsmith eine stilistisch unterschiedliche Musik, die für die Veröffentlichung zu vier Suiten zusammengestellt wurden. Einzig der Gebrauch des Synthesizers ist ihnen allen gemeinsam, und dem Komponisten gelang es diesmal (anders als noch bei „Under Fire“ aus dem gleichen Jahr) ihn in das Orchester zu integrieren. Den jeweils etwa 10-minütigen Suiten ist eine Ouvertüre vorangestellt, die die wichtigsten Themen des Scores vorführt, es handelt sich dabei um eine locker aneinandergereihte Zusammenstellung.

Die erste Suite, mit dem Titel „Time Out“, ist nur für zwei Klaviere, Celesta, Vibraphon, großes Schlagwerk sowie Synthesizer geschrieben und ähnelt aufgrund der kleinen Besetzung noch am ehesten den Musiken zu der Fernsehserie „Twilight Zone“. Sie begleitet im Film die Geschichte eines zeitgenössischen amerikanischen Rassisten, der sich unversehens selbst von historischen rassistischen Gruppen (wie den Nazis und dem Ku-Klux-Klan) gejagt sieht. Die kompromisslose Musik erinnert sehr an Bartoks „Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug“, die Goldsmith ohne Zweifel als Vorbild diente. Der oftmals brutale Klang wird durch den hier sehr unpersönlich und kalt eingesetzten Synthesizer noch verstärkt, gegen Ende des Stücks bildet er aber auch einen ruhigeren Kontrast zu den aggressiven militanten Rhythmen des ersten Teils.

„Kick The Can“, die zweite Suite, ist ein nostalgisches Stück von lyrischer Einfachheit. Musikalisch wird nachgezeichnet, wie der trübe Alltag einiger Bewohner eines Altersheims von einem älteren Mann aufgehellt wird, indem er die Senioren für eine Nacht in ihre Kindheit zurückversetzt. Hier sorgt der warme Klang des Synthesizers für ein wenig Melancholie, auch wird er als Melodieninstrument eingesetzt. Das sehr melodische Stück wird zwischenzeitlich von impressionistischen Klängen unterbrochen, behält aber stets seinen rührenden, meist von Streichern bestimmten Charakter. Nichts Aufregendes, aber recht hübsch!

Die nächste Suite wird mit einem Disco-Song eingeleitet, der in dieser qualitativ hochwertigen Veröffentlichung deplatziert wirkt. Wie auch immer, zumindest stellte Goldsmith auch damit seine Vielseitigkeit unter Beweis. Der Titel der dritten Suite lautet „It’s A Good Life“, im Film die Geschichte eines Jungen, der aufgrund der Fähigkeit, seine Umwelt beherrschen zu können, als „Monster“ gilt und an Einsamkeit leidet. Goldsmith entwarf hier ein impressionistisches Klanggemälde, das durch den subtil verwandten Synthesizer eine surrealistische Prägung erhielt. Eine feine, überwiegend auf den Kontrast von Holzbläsern und Streichern gestützte Instrumentation unterstreicht diese Stimmung (dass Goldsmith in Arthur Morton einen vorzüglichen Hausorchestrator hatte, konnte man seinerzeit in „Psycho II“ und „Under Fire“ ja nicht bemerken). Im Mittelteil griff Goldsmith dann auf Effekte zurück, wie er sie in „Alien“ bereits erprobt hatte: unidentifizierbare Geräusche nicht-elektronischer Herkunft. Diese Soundeffekte sowie hektisch rhythmische Ausbrüche des Orchesters begleiten die Machtdemonstrationen des Jungen. Gegen Ende wird die Musik wieder von einem beinahe pastoralen Charakter bestimmt, eine der schönsten Passagen der Veröffentlichung.

Einen schroffen Gegensatz zu „It’s A Good Life“ bildet die vierte Suite, die einen „Nightmare At 20,000 Feet“ beschreibt (ein Mann sieht während eines Nachtfluges als Einziger, wie ein Monster die Tragflächen und Triebwerke der Passagiermaschine beschädigt). Das Monster wird von einem schroffen „Dance Macabre“ charakterisiert, der, obwohl eher im spätromantischen Idiom gehalten, ein wenig an Strawinsky erinnert. Die Rohheit dieser Musik findet auch in der groben Instrumentation ihren Ausdruck: überwiegend werden Streicher, Blechbläser und Pauken eingesetzt. Die ganze Suite ist einer Steigerung unterworfen, die das wachsende Entsetzen des Fluggastes beschreibt – immer hysterischer und grobschlächtiger wird die Musik und mündet schließlich in einen sarkastischen Walzer, dessen punktierter Rhythmus das Wesen als Kobold darstellt. In den letzten Takt bricht dann der Main Title der Fernsehserie „Twilight Zone“, komponiert von Marius Constant, hinein, der auch schon zu Beginn der Veröffentlichung zu hören war. Es schließt sich also die Klammer und wir verlassen Goldsmiths „Twilight Zone“.

28. Februar 2008 Verfasst von filmmusik | Goldsmith, Kritiken | , | Noch keine Kommentare

Jerry Goldsmith – Under Fire

Under Fire

Um Jerry Goldsmith-Fans gleich in die richtige Stimmung zu bringen: „Under Fire“ war eine der schlechtesten Arbeiten des Meisters. Nicht nur, dass die musikalischen Ideen eher biederer Durchschnitt waren, sondern auch, dass Goldsmith ununterbrochen das ohnehin schon spärliche Klangbild (Arthur Morton hatte sich damals auch nicht besonders viel Mühe gegeben) durch Synthesizer-Klänge in den verschiedensten Frequenzlagen zu untermauern versuchte. Dadurch wurden dann auch teilweise ganz akzeptable Passagen völlig zerstört oder zumindest der Gesamteindruck gemindert. Schlimmer wurde es noch, wenn er Instrumente mit dem Synthesizer imitierte: hiermit verflachten selbst die typischen Goldsmith-Effekte (wie ein überraschendes fff-crescendo) zu reinem akustischen Background. Wenn dann auch der typische Streichersound zu einem solchen wird (wie es oft passiert, weil ständig zwischen synthetischen und realen Klängen gewechselt wird), wird einem klar, dass Jerry Goldsmith entweder einen Tiefpunkt in seiner Karriere zu verzeichnen hatte (ein solcher begann damals schon spürbar mit „Psycho II“) oder dass man die Musik einfach als Ausrutscher bezeichnen muss. Der Angelpunkt des Scores ist der Bajo, ein südamerikanischer Volkstanz in einem vierfach variablen 2/4-Takt. Es ist nicht verwunderlich, dass Jerry Goldsmith gerade einen solchen Tanz wählte, da er ihm geradezu alle möglichen rhythmischen Raffinessen und Klangbilder lieferte. Doch hatte Goldsmith ihn wesentlich besser bereits in seinen Partituren zu „Island In The Stream“ und „Cabo Blanco“ benutzt. Mit dem Bajo wird die Soundtrack-Veröffentlichung auch eingeleitet (unter dem Titel „Baja Fuego“, was wohl die sinnliche, wie auch bildhafte Dramatik ausdrücken soll) und das ist auch das einzige Stück, das nur für Gitarre, Streichorchester und Rhythmusinstrumente geschrieben wurde: kompositorisch (weil am deutlichsten an Goldsmith erinnernd) und formal („Abacaba“) das Beste. Innerhalb des Scores tauchen die rhythmischen Facetten des Bajo noch des Öfteren auf, meistens thematisch durch die Gitarre und den Panflöten aufgenommen; die Thematik  wurde zweimal auf einen Marsch erweitert, der dermaßen seicht und schlecht instrumentalisiert ist, dass man mit Wehmut an die großartige Passacaglia aus „Blue Max“ zurückdenken muss. Auch hier hatte er eine Handrassel als ständige Begleitung verwendet. Der Rest des Scores ist mieser Durchschnitt, die Themen sind banal (etwa würdig eines Stanley Meyers) und zeitweise denkt man an Ennio Morricone (der einzige Filmmusik-Komponist, der es Mitte der 80er-Jahre verstand, mit Synthesizern umzugehen – siehe „L’Umanoid“). Die Gitarrensoli von Pat Metheny waren solide, aber nicht umwerfend.

20. Februar 2008 Verfasst von filmmusik | Goldsmith, Kritiken | , , | 3 Kommentare

Tomorrow Is The Song I Sing (Liedtext, Lyrics)

Abgerechnet wird zum Schluss

Da wir gestern u. a. das Thema “Titelsongs” hatten, hier ist einer: “Tomorrow Is The Song I Sing” (Musik: Jerry Goldsmith, Text: Richard Gillis) aus dem Film “Abgerechnet wird zum Schluss” (”The Ballad Of Cable Hogue”), 1969. Bei dem Pärchen auf dem Cover (Zeichnung Badetrog) handelt es sich um die Darsteller Stella Stevens und Jason Robarts.

Tomorrow is the song I sing
Yesterday don’t mean a thing
I’ll make today my next day’s dawn

And I’ll still be here grinning
When the sun goes down

I’ll get through this day first
It’s not the worst
I don’t care
I’ll be there
To put the sun to bed

Tomorrow is the song I sing
Tomorrow ragmen can be kings
The smile I wear will be my crown
And I’ll be lighting up a lifetime when the sun goes down

Tomorrow is the song I sing
Tomorrow ragmen can be kings
‘Cause sometimes kings may ragmen be
If it
can happen to a king, it can happen to me

I’ll get through this day first
It’s not the worst
I don’t care
I’ll be there to put the sun to bed

Tomorrow’s still the song I sing
Good or bad,
Whatever it brings
Got no choice,
Greet the day
And whatever decides old fate,
I’ll make fate pay

Tomorrow is the song I sing
Tomorrow ragmen can be kings
The smile I wear will be my crown
And I’ll be lighting up a lifetime when the sun goes down

If I don’t make it through
It’s up to you
To do your share
And be there to put the sun to bed

Tomorrow will be the song you sing
Yesterday won’t mean a thing
Make today your next days dawn
And you’re still be here grinning when today’s all done.

13. Februar 2008 Verfasst von filmmusik | Goldsmith | , , , | 3 Kommentare