
Deutschland 1982
Buch und Regie: Rainer Werner Fassbinder (nach „Querelle de Brest“ von Jean Genet)
Kamera: Xaver Schwarzenberger
Musik: Peer Raben
Darsteller: Brad Davies, Jeanne Morau, Franco Nero
Der frühe und unerwartete Tod von Rainer Werner Fassbinder hatte seinem letzten Film ein besonderes Gewicht verliehen – ein vielleicht zu großes, mystifizierendes. Ähnlich war es vor vielen Jahren Pasolinis „Salo“ ergangen, der schnell zum ‚Testament‘ erklärt wurde. Was immer auch „Querelle“ für den Regisseur persönlich bedeutete, eines seiner Grundthemen wird in diesem letzten Werk auffällig konzentriert, wie unter einem Brennglas dargestellt: die Unmöglichkeit der Liebe, die ihre einzige Erfüllung in der Nichterfüllung findet. In der Figur des Matrosen Querelle hat Jean Genet früh die extreme Ausprägung eines Fassbinder-Heroen vorgezeichnet. Fast unvermeidlich nahm sich der Regisseur dieses Stoffes an, der so sehr sein eigener war. Die völlige Umkehrung der konventionellen Wertordnung wird bei Genet zu einem bestürzenden Streifzug durch die verborgenen Gewölbe menschlicher Existenz, wo Verrat, Betrug und Mord mit quasi religiöser Andacht zelebriert und zu neuen Tugenden erhoben werden. Genets Kosmos ist spiegelverkehrt, doch die Strukturen sind vor und in dem Spiegel die gleichen. Die feinen Verästelungen des Unbewussten und Verdrängten werden mitleidlos vor die Scheinwerfer Genets Kunstwelt gezogen, die Personen erscheinen als hilflose und einsame Marionetten ihrer Sehnsüchte. Dementsprechend hat Fassbinder darauf verzichtet, die Handlung in einer realen Umgebung anzusiedeln. Die Kulissen, die sein Architekt Rolf Zehetbauer für ihn entwarf, erinnern an unscharfe Traumbilder. Versatzstücke der Phantasie – ein Eindruck, der durch die außergewöhnliche Farbgebung unterstrichen wird. Das grell orange oder violette Licht taucht die Szenerie in eine unwirklich surreale Atmosphäre.
In der Schilderung sexueller Akte, vornehmlich unter Männern, bleibt der Film weit hinter der Drastik des Romans zurück, eine Rücksichtnahme, die wohl weniger auf künstlerischen Erwägungen beruht, als auf der Frage nach der Konsumierbarkeit eines solchen Stoffes.
Wie zu allen Filmen, bei denen Fassbinder Regie führte, schrieb Peer Raben auch zu „Querelle“ die Musik, von der vor allem die von Jeanne Morau treffend interpretierten Chansons (nach Texten Oscar Wildes) sowie teilweise aufdringlichen „Sphärenklänge“ im Ohr bleiben, über deren Qualität zu streiten wäre.

