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Jerry Goldsmith – Under Fire

Under Fire

Um Jerry Goldsmith-Fans gleich in die richtige Stimmung zu bringen: „Under Fire“ war eine der schlechtesten Arbeiten des Meisters. Nicht nur, dass die musikalischen Ideen eher biederer Durchschnitt waren, sondern auch, dass Goldsmith ununterbrochen das ohnehin schon spärliche Klangbild (Arthur Morton hatte sich damals auch nicht besonders viel Mühe gegeben) durch Synthesizer-Klänge in den verschiedensten Frequenzlagen zu untermauern versuchte. Dadurch wurden dann auch teilweise ganz akzeptable Passagen völlig zerstört oder zumindest der Gesamteindruck gemindert. Schlimmer wurde es noch, wenn er Instrumente mit dem Synthesizer imitierte: hiermit verflachten selbst die typischen Goldsmith-Effekte (wie ein überraschendes fff-crescendo) zu reinem akustischen Background. Wenn dann auch der typische Streichersound zu einem solchen wird (wie es oft passiert, weil ständig zwischen synthetischen und realen Klängen gewechselt wird), wird einem klar, dass Jerry Goldsmith entweder einen Tiefpunkt in seiner Karriere zu verzeichnen hatte (ein solcher begann damals schon spürbar mit „Psycho II“) oder dass man die Musik einfach als Ausrutscher bezeichnen muss. Der Angelpunkt des Scores ist der Bajo, ein südamerikanischer Volkstanz in einem vierfach variablen 2/4-Takt. Es ist nicht verwunderlich, dass Jerry Goldsmith gerade einen solchen Tanz wählte, da er ihm geradezu alle möglichen rhythmischen Raffinessen und Klangbilder lieferte. Doch hatte Goldsmith ihn wesentlich besser bereits in seinen Partituren zu „Island In The Stream“ und „Cabo Blanco“ benutzt. Mit dem Bajo wird die Soundtrack-Veröffentlichung auch eingeleitet (unter dem Titel „Baja Fuego“, was wohl die sinnliche, wie auch bildhafte Dramatik ausdrücken soll) und das ist auch das einzige Stück, das nur für Gitarre, Streichorchester und Rhythmusinstrumente geschrieben wurde: kompositorisch (weil am deutlichsten an Goldsmith erinnernd) und formal („Abacaba“) das Beste. Innerhalb des Scores tauchen die rhythmischen Facetten des Bajo noch des Öfteren auf, meistens thematisch durch die Gitarre und den Panflöten aufgenommen; die Thematik  wurde zweimal auf einen Marsch erweitert, der dermaßen seicht und schlecht instrumentalisiert ist, dass man mit Wehmut an die großartige Passacaglia aus „Blue Max“ zurückdenken muss. Auch hier hatte er eine Handrassel als ständige Begleitung verwendet. Der Rest des Scores ist mieser Durchschnitt, die Themen sind banal (etwa würdig eines Stanley Meyers) und zeitweise denkt man an Ennio Morricone (der einzige Filmmusik-Komponist, der es Mitte der 80er-Jahre verstand, mit Synthesizern umzugehen – siehe „L’Umanoid“). Die Gitarrensoli von Pat Metheny waren solide, aber nicht umwerfend.

20. Februar 2008 - Verfasst von filmmusik | Goldsmith, Kritiken | , , | 3 Kommentare

3 Kommentare »

  1. sehe ich überhaupt nicht so. Under Fire ist eines der besten Scores von Goldsmith!

    Kommentar von Rende | 23. Februar 2008 | Antworten

  2. [...] Synthesizers ist ihnen allen gemeinsam, und dem Komponisten gelang es diesmal (anders als noch bei „Under Fire“ aus dem gleichen Jahr) ihn in das Orchester zu integrieren. Den jeweils etwa 10-minütigen Suiten [...]

    Pingback von Jerry Goldsmith: Twilight Zone – The Movie « Filmmusik Weblog | 28. Februar 2008 | Antworten

  3. „Bajo Fuego“ ist der Name des ersten Stückes. Es handelt sich dabei schlicht und einfach um eine Übersetzung des Filmtitels: Under Fire = Unter Feuer = Bajo Fuego.

    Im Übrigen kann die Musik allenfalls schlecht „instrumentiert“ sein. Schlecht „instrumentalisiert“ wird Musik zwar gelegentlich auch, aber sicher nicht von Arthur Morton. :-D

    Kommentar von Score | 28. März 2009 | Antworten


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