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Can / Irmin Schmidt - Besprechung verschiedener Soundtracks

Irmin Schmidt

„Can  Soundtracks“ – enthält „Deadlock“, „Cream“, „Mädchen mit Gewalt“, „Deep End“, „Bottom“

„Irmin Schmidt-Filmmusik“ - enthält „Im Herzen des Hurricane“, „Messer im Kopf“, „Der Tote bin ich“

„Irmin Schmidt-Filmmusik Vol II“  - enthält „Flächenbrand“, „Endstation Freiheit“, „Heimsuchung des Assistenten Jung“

„Irmin Schmidt-Filmmusik Vol III und IV“ – enthält „Flight To Berlin“, „Der Mann auf der Mauer“, „Es ist nicht aller Tage Abend“, „Leben Grundlings…“, „Ruhe sanft, Bruno“

Was in anderen Ländern schon immer gang und gäbe war, dass nämlich bekannte Musiker aus der Pop- und Rockszene einem Film einen Soundtrack verpassen, das blieb in Deutschland lange Zeit die große Ausnahme. Udo Jürgens‘ peinlichen Ausflug in die Westernlandschaft von „Potato Fritz“ einmal außer Acht lassend, gab es immerhin die Gruppe „Can“ und ihren Keyboardspieler Irmin Schmidt, die bis in die frühen 70er-Jahre Filme untermalte, während Schmidt weiterhin auf diesem Gebiet tätig blieb. Durch die modischen Rock-Klänge bekamen viele Filme überhaupt erst ein richtiges Feeling für Leute und Umgebung, für Situationen und Begebenheiten. Man denke an Roland Klicks Western „Deadlock“, der ohne die aggressive und nervöse Musikkulisse von Can sehr viel seiner extremen Wirkung eingebüßt hätte, oder an das von Irmin Schmidt betreute „Messer im Kopf“, dessen psychologische Spannung nicht zuletzt den zirpenden Tonwiederholungen zu verdanken war, aber auch an „Im Herzen des Hurricane“, wo die Musik, bewusst laut und aufdringlich, den Rhythmus der Verfolgungsjagden in der freien Wildbahn bestimmte.

Irmin Schmidts Soundtrack-Veröffentlichungen (inklusive der Can-Filmmusiken) haben äußerlich und in der Zusammenstellung wenig mit den üblichen Scores zu tun. Seine vier Sampler mit Suiten aus seinen Filmen reihen die Stücke inhaltlich nicht nach Filmtiteln aneinander, sondern setzen einfache lose Cues hintereinander. Diese Anordnung macht die Alben autonom hörbar und vermittelt dem Hörer Grundstimmungen, zu deren Erfahrung man den Titel des Films eigentlich nicht wissen muss. Auch ist jeder dieser Titel getrennt thematisch und formal durchdacht.

Um allerdings seine Veröffentlichungen musikalisch zu interpretieren, muss man berücksichtigen, dass zweifellos vieles im Studio von den Musikern noch auf die Skizze improvisiert wurde. Dass allerdings Schmidts Filmalben ein kompositorisches Konzept zugrunde liegt, ist nach den „Can-Soundtracks“, die gewiss Teamwork und daher bis zu einem hohen Grad auch musikalisch primitiv waren, nicht schwer zu erraten. Schmidt beherrscht, wenn es um die Rock- Jazz- und Popmusik geht, sein Handwerk, was sich an einigen Beispielen beweisen lässt, obwohl es gerade seinen Scores aus den 80er-Jahren (wie „Rote Erde“, „Flight To Berlin“) an einem geradlinigen Konzept mangelt, und er (wie seinerzeit auch Peer Raben)  hilflos in schwammigen Harmonien auf der Stelle tritt, was man auch auf den übermäßigen Gebrauch und Übereinanderspielung von verschiedenen Soli zurückführen muss.

Doch allen diesen negativen Aspekten zum Trotz kann man Schmidts „Vol I“ und „Vol II“ als repräsentativen Querschnitt seines Könnens betrachten, wobei er nicht selten imstande scheint, seine wenigen Mittel (Gitarren, Keyboards, Bass, Drums) virtuos einzusetzen und sie für seine musikalischen Ideen brauchbar zu machen. Damit gelingt es ihm manchmal kleine musikalische Kabinettsstückchen zu erzeugen. Da seien, z. B.,  die Sax-Soli aus „Der Tote bin ich“ (mit Gespür und feinen Nuancen von Bruno Spoerri versehen) genannt, die harmonisch durchsichtige Klangmontage und ein sich bis in die schroffen Dissonanzen steigerndes Pop-Thema aus „Flächenbrand“, das, meditativ-minimalistische, Trio für drei Keyboards und die orientalische Sphäre aus „Messer im Kopf“.

Dass Schmidt in seinen darauf folgenden Filmmusiken solches Raffinement nicht mehr an den Tag legte, lag hörbar daran, dass er zu sehr mit seinem Klangkörper experimentierte. Oder dass er sich auch (wie in „Flight To Berlin“) einfach lustlos an das harmonische Grundgerüst hielt. Um Schmidts musikalischen Intellekt allerdings nicht aus den Augen zu verlieren, muss man zwangsläufig auf andere Veröffentlichungen ausweichen. „Toy Planet“ (1981 in der Schweiz produziert) scheint dazu ideal. Sie enthält alle guten Eigenschaften des Musikers Schmidt, die man bei ihm zeitweise in der Filmmusik vermissen musste.

10. Februar 2008 Verfasst von filmmusik | Kritiken | , , | Keine Kommentare